Der GRR-Ripper von Microjig – Nützlich oder gefährlich?

grripper_titelWer sich öfter auf US-Amerikanischen Internetseiten tummelt oder entsprechende Videos auf Youtube schaut kennt ihn: Den GRR-Ripper von Microjig.  Er scheint ein nahezu unverzichtbares Zubehör zu jeder Tischkreissäge zu sein. Inzwischen gibt es ihn auch in Deutschland, aber man hört recht wenig davon. Bereits vor einigen Jahren hatte ich einen GRR-Ripper zum Testen und konnte mich nur sehr eingeschränkt für ihn begeistern.  Zu meinem damaligen Test können Sie bei woodworking.de einiges lesen: Diskussion auf Woodworking.de aus dem Jahr 2011

Seit einigen Wochen habe ich einen GRR-Ripper in der Werkstatt und setze ihn auch bei Kursen an der Tischkreissäge und am Frästisch ein. Meine Haltung gegenüber dieser Werkstatthilfe hat sich seit 2011 jedoch nicht grundlegend geändert. Man sollte den GRR-Ripper mit Bedacht einsetzen, dann ist er auch sehr nützlich.  Die meisten Anwendungen, für die der GRR-Ripper beworben wird lassen sich auch mit anderen Mitteln, oder den hierzulande üblichen Maschinenausstattungen sicher und präzise ausführen.  Der größte Nachteil des GRR-Ripper ist immer noch, dass er einige der beworbenen Anwendungen nur mit demontierter Schutzhaube ermöglicht. Auch der Spaltkeil darf nicht zu weit überstehen.  Vom Demontieren der Schutzhaube oder gar des Spaltkeils ohne konkrete Notwendigkeit rate ich immer noch ab.

Der Rip-Block mit abgesenkten Haken
Der Rip-Block mit abgesenkten Haken

Der GRR-Ripper kann auch am Frästisch benutzt werden. Das erweitert seinen Einsatzbereich deutlich. So zum Beispiel beim Fräsen kleiner Werkstücke. An der Tischkreissäge nutze ich den GRR-Ripper inzwischen gerne, wenn ich Werkstücke hochkant schneide. Beispielsweise beim Nuten, Fälzen oder Auftrennen.  Leider ist der GRR-Ripper kein Schnäppchen. Daher muss man schon gut überlegen, ob er in der eigenen Werkstatt Sinn macht. Ein wenig günstiger, aber nicht ganz so vielseitig ist der „GRR-Rip-Block“., ebenfalls von Microjig. Auch er kann sowohl an der Tischkreissäge, als auch am Frästisch oder der Abrichthobelmaschine benutzt werden.

Beide Schiebehilfen zusammen ergänzen sich auch sehr gut. Man muss also nicht gleich zwei GRR-Ripper anschaffen.

So gesehen scheint der GRR-Ripper also doch sehr nützlich zu sein. Der Schein trügt nicht, er ist nützlich. Aber nur dann, wenn man bereits einige Erfahrung im Umgang mit Maschinen hat. Denn nur dann kann man auch abschätzen, wo man den GRR-Ripper sicher benutzen kann und wo nicht.  Es scheint ein wenig so, wie (damals) bei der Einführung der ABS-Systeme bei Autos zu sein. Das Anti-Blockier-System für die Bremsen nimmt den Fahrer nicht aus der Verpflichtung angepasst zu fahren.

Video:
Der GRR-Ripper in der Kurswerkstatt-Saar

 

Die vielen Videos, vor allem aus den USA, vermitteln schnell den Eindruck, dass der GRR-Ripper alleine das Sägen sehr sicher macht. Dazu gehört aber noch einiges mehr. Der GRR-Ripper macht die Tischkreissäge nicht sicherer, wenn im Gegenzug zu seiner Benutzung die Schutzhaube oder gar der Spaltkeil demontiert werden muss. Wenn Sie sich dazu entschließen einen GRR-Ripper in Ihrer Werkstatt zu benutzen, sehen Sie ihn als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Sicherheitseinrichtungen an Ihren Maschinen. Er kann diese nicht ersetzen. Auch der althergebrachte Schiebestock und das Schiebeholz sollten weiterhin griffbereit sein. Ebenso müssen Sie sich nicht abgewöhnen am Frästisch oder der Tischfräse Ihre Andruckfedern zu montieren.

GRR-Ripper und Rip-Block
GRR-Ripper und Rip-Block

Der Ripp-Block

Eine preisgünstige Alternative zum GRR-Ripper ist der Ripp-Block. Er bietet die Möglichkeit der Befestigung eines Splitterschutzes. Dieser Splitterschutz ist nichts weiter als eine Acrylglas-Scheibe, die mit zwei Schrauben befestigt wird. Derzeit (Juni 2016) ist zwar der Ripp-Block bei zwei deutschen Händlern zu bekommen, nicht aber der sogenannte Deflector, der den Anwender vor umherfliegenden Spänen schützen soll. Dieser Deflector ist aber auch ganz einfach selbst zu bauen. Man braucht lediglich ein Stück Acrylglas, das man passend zurechtschneidet.

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Ich habe das auf der Bandsäge getan. Die Kanten von Acrylglas kann man sehr gut mit einer Ziehklinge glätten und leicht abrunden.

Befestigung des selbst gefertigten Deflectors
Befestigung des selbst gefertigten Deflectors

Schwieriger wird da schon die Befestigung der Platte am GRR-Rip-Block. Die Gewinde sind nicht metrisch, sondern 1/4 Zoll. Solche Schrauben bekommt man nicht gerade an jeder Ecke. Aber bei Dieter Schmid. Ich habe die Schrauben des Incra-Systems verwendet. Praktisch ist, dass Dieter Schmid auch den GRR-Rip-Block verkauft. Sollten Sie ihn dort bestellen, können Sie also die Schrauben gleich mitbestellen.

Links:

7 Gedanken zu „Der GRR-Ripper von Microjig – Nützlich oder gefährlich?“

  1. Hallo Heiko,

    wozu wird das gelbe Kunststoffbrett beim GRR-Ripper verwendet?
    Es ist auf den ersten Bild unter dem Video zu sehen.

    Viele Grüße
    Manfred

    1. Hallo Manfred,
      es kann als Abstützung oder auch als Andruckvorrichtung beim Bearbeiten schmaler Werkstcke verwendet werden.

      Gruß

      Heiko

  2. Ich hätte mir sogar noch etwas klarere Worte vorstellen können, die zeigen, dass dieses Werkzeug in vielen Situationen auf Maschinen europäischer Bauart die Sicherheit eher verschlechtert, denn zu mehr Sicherheit beizutragen.

    Da könnte man durchaus mal einen ausführlicheren Vergleich ziehen zwischen den amerikanischen Sägen auf dem sicherheitstechnischen Stand des vorletzten Jahrhunderts und den europäischen Bauarten.

    Wo liegen die Fallen, die ein Anfänger nicht sieht? Für den Laien ist vielleicht nicht erkennbar, dass es ein ernsthafte Dummheit sein kann, Schutzhaube und Spaltkeil zu demontieren, um mit dem Gripper vermeintlich sicherer arbeiten zu können.

    1. Hallo,

      natürlich kann man das alles noch weiter erläutern. Aber ich glaube diejenigen, die sich aufgrund dieses Artikels für das Thema Sicherheit mehr Interessieren werden die notwendigen Infos finden. Oder sie kommen einfach zu einem Tischkreissägen-Kurs.

      Gruß

      Heiko

  3. Hallo Heiko,

    für verdeckte Schnitte oder Schnitte am Parallelanschlag nutze ich ein gewöhnliches Reibebrett (Ausfugbrett) mit Moosgumibelag. Kostet im Baumarkt um die fünf Euro.

    Viele Grüße, André

    1. Hallo Maik,

      aus sicherer Quelle weiß ich, dass es Artikel von Woodpeckers bald auch in Deutschland zu kaufen gibt.

      Gruß

      Heiko

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